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Das musste dieser Tage auch die Grüne Jugend Rheinland-Pfalz lernen.
Ich persönlich bin auch kein Fan der vielen Fahnen und Fähnchen. Zum Einen, weil es mir schlicht ZU VIELE sind (ganz ehrlich, eine is ja noch ok, wenn man soooo auf Fußball steht, aber das ganze Haus vermummen, also echt?), zum Anderen, weil die Schwarz-rot-Goldene, gerade in letzter Zeit wieder verstärkt von Leuten geschwenkt wird, die eine sehr negative und unfreundliche Botschaft durch die Straßen und über die Plätze Deutschlands tragen.
Ich maße mir an, zu verstehen, was die jungen Hüpfer ursprünglich zu bedenken geben wollten.
Leider las es sich in der entstandenen Umsetzung etwas arg patzig und war zudem verallgemeinernd und auch noch teils vage bis gar falsch.
"Wer sich als patriotisch definiert, grenzt Andere aus." So steht es im ursprünglichen Post, auf der Facebookseite der GJ Rheinland-Pfalz.
Ist das so? Bedeutet Patriotismus automatisch Ausgrenzung Anderer?
Und überhaupt, welche Anderen sind da gemeint? Wortklauberei, mögt ihr sagen, Pedanterie. Vielleicht. Aber mit derlei vagen Sprüchen ist Tür und Tor und Polen offen für Wut und Unverständnis.
Zumal Patriotismus per Definition (laut Duden) Heimatgefühl, Heimatliebe, Liebe zum Vaterland, Nationalgefühl, vaterländische Gesinnung und Vaterlandsliebe umfasst.
Etwas davon zu empfinden, macht einen also zum Patrioten.
Zugegeben, da sind jetzt schon Begriffe dabei, die in eine ganz bestimmte politische Richtung deuten... hmmmm...
Braucht es aber nicht für jedes politische oder soziale Engagement ein gewisses Maß an Heimatliebe?
Ist Heimatgefühl nicht zwingend notwendig um zu erspüren, wo sich etwas ändern muss und um glücklich zu sein, mit dem, was gut klappt?
Darf man nicht getrost ein bisschen stolz sein, auf das am System, das es erstrebenswert macht hier zu leben?
(Es läuft vieles himmelschreiend schief hier, das bestreite ich nicht, aber momentan behandeln wir einen Trugschluss bezüglich des Gesamtbildes.)
Patriotismus an sich hat nichts mit Ausgrenzung zu tun.
Jemand der seine Heimat liebt, hat nicht automatisch ein Problem mit Migranten, Andersgläubigen oder Andersdenkenden. Er fühlt sich einfach wohl, wo er ist, mag die Aussicht von seinem Balkon aus, oder ist einfach nur froh, dass er hier gesetzlich krankenversichert ist und im Notfall auf eine Fülle von Hilfen aus einem großen, wenn auch Fehler behafteten sozialen Netz zurückgreifen kann.
Vielleicht ist Patriot X auch deshalb verliebt in seine Heimat, weil er selbst mittellos hier ankam, eine neue Heimat und neue Freunde gefunden hat und jetzt unter einem neuen, all seine vergangenen Kämpfe und neuen Hoffnungen widerspiegelnden Banner mit diesen neuen Freunden Fußball feiern kann.
Da ist nichts Schlechtes dran.
Gefährlich ist der Nationalismus. Dieser ist im Duden kurz und unfreundlich, aber treffend, als "übersteigertes Nationalbewusstsein" definiert. Und damit geht der Ärger los.
Im oben schon erwähnten Post liest man "Patriotismus = Nationalismus".
Da hat jemand im Grundkurs Logik geschlafen. Die Gleichung geht nicht auf.
Man kann völlig ohne "Andere" auszugrenzen zufrieden in seiner Heimat verwurzelt sein.
Regelrecht verliebt kann man in sein Kuhkaff, oder sein expandierendes Metropolenzuhause sein, ohne einmal zu denken: "Ich bin das Volk und die Torte in der Burka da drüben soll sich nach Mekka verpissen."
Umgekehrt verhält es sich genauso. Man kann das Bauernkaff in dem eh alles scheiße ist, oder den unter Dauerbaulärm zitternden Stadtteil in dem man sich eingekeilt und verloren fühlt hassen wie Pickel am Hintern und Deutschland, wie es jetzt ist, insgesamt verteufeln und sich trotz Allem ganz grotesk deutsch fühlen, "bewusst national" also.
Somit ist die obige Gleichung unwahr. Man kann ja auch nicht sagen: 3+x=y, wobei egal ist, was man für x einsetzt, es kommt immer 12 für y raus.
Oder einfacher: Schule = Lernen.
Was und wieviel man lernt, hängt vom ersten Tag in der Schule an von vielen Faktoren ab, für die Gesamtheit der Schüler und dann von nochmal mindestens eben so vielen für jeden individuellen Schüler.
Und so, denke ich, ist es auch mit Patriotismus und Nationalismus.
Wie und warum man patriotisch ist, ob man patriotisch ist und in welchen Bezugssystemen, hängt von vielen Faktoren ab. Ob sich eine Tendenz zum Nationalismus ergibt, dann nochmal von mindestens genau so vielen.
Einen nationalistischen Hintergrund aus einer Deutschlandfahne während einer Fußball EM zu deduzieren ist schlichtweg falsch und diese Ableitung dann als feststehende Tatsache zu verkünden stößt zurecht auf Ablehnung und Unverständnis.
Zum Schluss noch ein paar Worte zu den zu Begin schon bemängelten, recht unpräzisen "Anderen" die, laut Post, ausgegrenzt werden.
Das stößt mir rein rhetorisch sauer auf. Eben weil es so vage ist.
Seien wir ehrlich, die Einzigen, die durch die Fahnen ausgegrenzt, oder, in meinem Fall, vorgewarnt werden, sind die paar Leute, denen Fußball an der rückwärtigen Peripherie vorbei geht.
Und die sind wahrscheinlich gar nicht so undankbar, dass sie bereits am Gartentor vor dem Fußballeifer der jeweiligen Hausbewohner gewarnt werden.
In diesem Sinne, bleibt skeptisch und bis die Tage, eure Motte.

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