Es ist spät. Der Tag war lang und anstrengend und zu allem Überfluss bin ich auf dem Heimweg von der Arbeit auch noch in einen Regenschauer geraten.
Deshalb gibt es heute nur einen kleinen Denkansatz für dessen ausführliche Erörterung ich schlicht zu müde bin.
Teile der deutschen LGBT Community sind Sturm gelaufen gegen das Statement der Kanzlerin zu Orlando, weil sie die Tat nicht klar als ihrer Lebensweise feindlich gesinnt benannt hatte.
Das mag so stimmen. Aber ist es nicht gerade eine Kernforderung dieser Bewegung, dass alle in ihr zusammengefassten Lebenskonzepte den althergebracht gewohnten gleichzustellen sind?
Es ist jedem klar, dass die schrecklichen Geschehnisse in Orlando ein Verbrechen aus Hass waren.
Es ist ebenso klar gegen wen der Hass sich richtete. Aber es sind Menschen die gestorben sind, nicht ein Lebensstil und auch keine sexuelle Orientierung.
Die Schicksale der Opfer sollten nicht für die Sache vereinnahmt werden. Auch wenn sie, könnte man sie noch fragen wohl nicht dagegen wären.
Es gibt der Trauer eine Färbung in Richtung Verfolgung und Hetze, die sie in meinen Augen verzerrt und beschmutzt.
Frau Merkel hat den Hinterbliebenen kondoliert und sich bestürzt geäußert. Das war so vollkommen korrekt.
Ich spreche nicht davon tot zu schweigen, dass die Tat gegen die Lebens - und Liebensweise der Opfer und ihrer Gleichgesinnten gerichtet war. Aber man scheint zu vergessen, dass sie damit auch gegen die Lebensweise all derer gerichtet war, die diese Menschen liebten, mochten und kannten und ihre Orientierung als normal und schön empfanden und selbst gegen die, die sich nicht hineinversetzen können in irgendeine Art von nichtheterosexueller Orientierung aber doch akzeptieren, dass diese genau so zu unserem heutigen Alltagsbild und Beziehungsgefüge gehören.
Ich werde das in den nächsten Tagen näher ausführen. Für den Moment ist genug geschrieben.
Bleibt skeptisch, gute Nacht, eure Motte.
Mottenkotze
Das ist meine persönliche Aufreger-Seite. Ihr müsst meine Meinung nicht teilen, weder im herkömmlichen, noch im digitalen Sinne. Aber für alle, die es interessiert, was Nachtfalter so denken, gebe ich hier meinen Senf ab. Manchmal zum brandaktuellen Tagesgeschehen, dann aber auch sicher wieder zu Themen die seit Jahren durch meinen Kopf schwirren und dringend mal wieder wiedergekäut werden müssen.
Donnerstag, 16. Juni 2016
Mittwoch, 15. Juni 2016
Wie sinnvoll sind härtere Strafen?
Die Diskussion um härtere Strafen bei Übergriffen gegen Polizisten, Feuerwehrleute oder Rettungskräfte geht schon eine ganze Weile und tritt eben so lang auf der Stelle.
Es scheint so viele Meinungen wie Beteiligte zu geben, ein Konsens ist nach wie vor nicht in Sicht.
Ich finde das wenig verwunderlich.
Das Thema ist komplex. Nicht nur die Frage, wie man das Strafmaß ändern soll, ob z.B. Geldstrafen ganz wegfallen und/oder mögliche Gefängnisstrafen angehoben werden sollen, auch wie die Bevölkerung und die Betroffenen, die Vollzugs- und Notfallkräfte, auf mögliche Änderungen reagieren würden, spielt eine große Rolle.
Sind es doch schließlich Politiker, die gerne wiedergewählt würden, die hier versuchen eine Lösung zu erarbeiten.
Was mich viel mehr interessiert, als die Frage, wie man Strafmaß und -maßnahme verändern soll, ist die einfache Frage:
Würden härtere Strafen auch nur im Geringsten etwas an der Gefährdung derer ändern, deren Verletzung dem Greifen dieses Gesetzes vorausgeht?
Ich habe mich durch einige Statistiken, Artikel und auch Interviews, unter anderem mit Polizisten und Polizeigewerkschaftlern gewühlt.
Das hat meine Skepsis bezüglich der Wirksamkeit härterer Strafen noch verstärkt.
Die Zahl der Übergriffe ist stark gestiegen.
Laut Bernhard Witthaut (ehem. Bundesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei) ist ein statistisch belegter Anstieg um 33% binnen der letzten 10 Jahre zu verzeichnen. Er gibt zudem zu bedenken, dass viele Beamte Übergriffe gar nicht erst zur Anzeige gäben, was zu einer erheblichen und nicht berechenbaren Dunkelziffer führe.
Er verweist daher auf eine Studie des kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen aus dem Jahr 2010, die ein weit eindeutigeres Bild der Lage zeichnet.
Die gesammelten Ergebnisse der Befragungen findet ihr hier.
82% der befragten Polizisten wurden im Jahr 2009 verbal attackiert, wiederum 90% von ihnen mehrfach.
Die Zahl schwerer Verletzungen die zu Krankenzeiten von sieben Tagen und mehr führten, haben zwischen 2005 und 2009 um 60% zugenommen.
Das ist schon ganz schön hart. Mit diesem Wissen im Hinterkopf, ist es nicht mehr so verwunderlich, wenn Polizeibeamte selbst bei Routinekontrollen nicht mehr viel Humor für halbseidene Witzchen haben.
Wobei ich persönlich über meine ortsansässigen Freunde und Helfer nicht meckern kann.
Im Gegenteil, bei manchem das den Damen und Herren vom Dienst, grade des Nachts und am Wochenende, so widerfährt muss ich ganz ehrlich sagen, ich hätte nicht den Gleichmut den sie an den Tag legen.
Aber zurück zum Thema.
Härtere Strafen im allgemeinen, egal auf welche vorangegangene Tat sie folgen sollen, verhindern, meiner Meinung nach, nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen weitere Taten dieser Art. oder dieses Täters.
Taten im Affekt, also alles, was ohne lange zu denken in großer Erregung passiert, werden völlig entkoppelt von Wägungen über eventuelle Folgen begangen. Wenn einem ein Betrunkener an die sekundären Geschlechtsmerkmale geht, oder wenn ein Streit eskaliert, wenn auf einer Massenveranstaltung das Gedränge zu groß und die Stimmung immer aufgeheizter wird überlegt man in der Regel nicht, sondern reagiert instinktiv, in Panik, oder Wut auf das Geschehen. Dabei denkt man weder an direkte, noch rechtliche Folgen. Oder diese kommen einem in den Sinn, wenn der Longdrink bereits auf seiner Flugbahn Richtung Gesicht, die Vase in Richtung (demnächst Ex-) Lebensgefährte/in oder die Faust in Richtung Vordermann unterwegs ist.
Überall wo Konsequenzen nicht bedacht werden, haben sie auf die geschehende Handlung somit keinen Einfluss. Sie können lediglich eine Verhaltensänderung für zukünftige Situationen begünstigen, welche aber nicht im gesellschaftlichen Sinne positiv sein muss.
Bei radikalisierten Tätern, egal welchen Hintergrundes, verhält es sich ähnlich. Wenn Täter der Meinung sind einem höheren Ziel zu folgen, ist Strafe oft nebensächlich, manchmal sogar erwünscht, da sie ihnen in ihrem Bezugssystem einen Märtyrerstatus beschert.
Ein erheblicher Anteil von Übergriffen gegen Polizisten und Notfallhelfer entsteht aber aus Affekt.
Ebenso nimmt die Zahl von Angriffen Seitens radikaler Gruppen und Einzeltäter aus radikalen Milieus stark zu. Letzteres ist eine Folge gescheiterter Sozialisation und wird sich durch eine Verbringung der Täter in den Regelvollzug nicht bessern, sondern eher verschlimmern.
Lediglich bei geplanten Taten nicht durch soziale Umgebungseinflüsse motivierter Täter, kann ich mir eine Abschreckungswirkung härterer Strafen vorstellen.
Des Übels Wurzel indes ist an anderer Stelle zu suchen.
Die Wut auf Schutz- und Ordnungskräfte beschwören diese im seltensten Fall selbst herauf.
Wo die Polizei zu schützen, zu ordnen und zu dienen hat, entscheidet ja nicht der Polizist als einzelner, oder die Einsatzgruppe, die Entscheidung kommt "von Oben", aus der Politik.
Man kann jetzt sagen, die Beamten seien selbst schuld, keiner habe sie zu ihrem Beruf gezwungen, aber das wäre doch etwas arg abstrus.
Zum Einen, ist jeder von uns froh, dass er nur die schon in der Grundschule auswendig gelernte Nummer zu wählen braucht, wenn die sprichwörtliche Kacke am dampfen ist und zum Andern, sind wohl die Wenigsten zur Polizei gegangen um Kindergärtner für Pegida oder eine Herde besoffener Hooligans zu spielen, damit diese nicht von Gruppen gegenteiliger Meinung rituell geschlachtet werden. Sie wollten wohl eher das tun, was auf der einen Seite erwähnt wurde, helfen und schlichten, wo es nötig ist.
Aber gerade ihr Einsatz bei Demonstrationen, zum Schutz umstrittener Unternehmungen und Personen, macht sie zu Zielscheiben, zu Feindbildern, zu Leinwänden auf die Wut projiziert wird, die sie nicht erzeugt haben. Sie werden nicht mehr als Menschen wahrgenommen, sondern als Teil eines Ärgernisses.
Dieses Bild zu ändern, würde den Dienstalltag viel sicherer machen. Härtere Strafen greifen erst, wenn etwas passiert ist, ein positiveres Bild würde manchen Grund zu strafen vermeiden.
Darüber sollten die Herren Innenminister in Perl-Nennig einmal nachdenken.
In diesem Sinne, bleibt skeptisch, eure Motte.
Es scheint so viele Meinungen wie Beteiligte zu geben, ein Konsens ist nach wie vor nicht in Sicht.
Ich finde das wenig verwunderlich.
Das Thema ist komplex. Nicht nur die Frage, wie man das Strafmaß ändern soll, ob z.B. Geldstrafen ganz wegfallen und/oder mögliche Gefängnisstrafen angehoben werden sollen, auch wie die Bevölkerung und die Betroffenen, die Vollzugs- und Notfallkräfte, auf mögliche Änderungen reagieren würden, spielt eine große Rolle.
Sind es doch schließlich Politiker, die gerne wiedergewählt würden, die hier versuchen eine Lösung zu erarbeiten.
Was mich viel mehr interessiert, als die Frage, wie man Strafmaß und -maßnahme verändern soll, ist die einfache Frage:
Würden härtere Strafen auch nur im Geringsten etwas an der Gefährdung derer ändern, deren Verletzung dem Greifen dieses Gesetzes vorausgeht?
Ich habe mich durch einige Statistiken, Artikel und auch Interviews, unter anderem mit Polizisten und Polizeigewerkschaftlern gewühlt.
Das hat meine Skepsis bezüglich der Wirksamkeit härterer Strafen noch verstärkt.
Die Zahl der Übergriffe ist stark gestiegen.
Laut Bernhard Witthaut (ehem. Bundesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei) ist ein statistisch belegter Anstieg um 33% binnen der letzten 10 Jahre zu verzeichnen. Er gibt zudem zu bedenken, dass viele Beamte Übergriffe gar nicht erst zur Anzeige gäben, was zu einer erheblichen und nicht berechenbaren Dunkelziffer führe.
Er verweist daher auf eine Studie des kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen aus dem Jahr 2010, die ein weit eindeutigeres Bild der Lage zeichnet.
Die gesammelten Ergebnisse der Befragungen findet ihr hier.
82% der befragten Polizisten wurden im Jahr 2009 verbal attackiert, wiederum 90% von ihnen mehrfach.
Die Zahl schwerer Verletzungen die zu Krankenzeiten von sieben Tagen und mehr führten, haben zwischen 2005 und 2009 um 60% zugenommen.
Das ist schon ganz schön hart. Mit diesem Wissen im Hinterkopf, ist es nicht mehr so verwunderlich, wenn Polizeibeamte selbst bei Routinekontrollen nicht mehr viel Humor für halbseidene Witzchen haben.
Wobei ich persönlich über meine ortsansässigen Freunde und Helfer nicht meckern kann.
Im Gegenteil, bei manchem das den Damen und Herren vom Dienst, grade des Nachts und am Wochenende, so widerfährt muss ich ganz ehrlich sagen, ich hätte nicht den Gleichmut den sie an den Tag legen.
Aber zurück zum Thema.
Härtere Strafen im allgemeinen, egal auf welche vorangegangene Tat sie folgen sollen, verhindern, meiner Meinung nach, nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen weitere Taten dieser Art. oder dieses Täters.
Taten im Affekt, also alles, was ohne lange zu denken in großer Erregung passiert, werden völlig entkoppelt von Wägungen über eventuelle Folgen begangen. Wenn einem ein Betrunkener an die sekundären Geschlechtsmerkmale geht, oder wenn ein Streit eskaliert, wenn auf einer Massenveranstaltung das Gedränge zu groß und die Stimmung immer aufgeheizter wird überlegt man in der Regel nicht, sondern reagiert instinktiv, in Panik, oder Wut auf das Geschehen. Dabei denkt man weder an direkte, noch rechtliche Folgen. Oder diese kommen einem in den Sinn, wenn der Longdrink bereits auf seiner Flugbahn Richtung Gesicht, die Vase in Richtung (demnächst Ex-) Lebensgefährte/in oder die Faust in Richtung Vordermann unterwegs ist.
Überall wo Konsequenzen nicht bedacht werden, haben sie auf die geschehende Handlung somit keinen Einfluss. Sie können lediglich eine Verhaltensänderung für zukünftige Situationen begünstigen, welche aber nicht im gesellschaftlichen Sinne positiv sein muss.
Bei radikalisierten Tätern, egal welchen Hintergrundes, verhält es sich ähnlich. Wenn Täter der Meinung sind einem höheren Ziel zu folgen, ist Strafe oft nebensächlich, manchmal sogar erwünscht, da sie ihnen in ihrem Bezugssystem einen Märtyrerstatus beschert.
Ein erheblicher Anteil von Übergriffen gegen Polizisten und Notfallhelfer entsteht aber aus Affekt.
Ebenso nimmt die Zahl von Angriffen Seitens radikaler Gruppen und Einzeltäter aus radikalen Milieus stark zu. Letzteres ist eine Folge gescheiterter Sozialisation und wird sich durch eine Verbringung der Täter in den Regelvollzug nicht bessern, sondern eher verschlimmern.
Lediglich bei geplanten Taten nicht durch soziale Umgebungseinflüsse motivierter Täter, kann ich mir eine Abschreckungswirkung härterer Strafen vorstellen.
Des Übels Wurzel indes ist an anderer Stelle zu suchen.
Die Wut auf Schutz- und Ordnungskräfte beschwören diese im seltensten Fall selbst herauf.
Wo die Polizei zu schützen, zu ordnen und zu dienen hat, entscheidet ja nicht der Polizist als einzelner, oder die Einsatzgruppe, die Entscheidung kommt "von Oben", aus der Politik.
Man kann jetzt sagen, die Beamten seien selbst schuld, keiner habe sie zu ihrem Beruf gezwungen, aber das wäre doch etwas arg abstrus.
Zum Einen, ist jeder von uns froh, dass er nur die schon in der Grundschule auswendig gelernte Nummer zu wählen braucht, wenn die sprichwörtliche Kacke am dampfen ist und zum Andern, sind wohl die Wenigsten zur Polizei gegangen um Kindergärtner für Pegida oder eine Herde besoffener Hooligans zu spielen, damit diese nicht von Gruppen gegenteiliger Meinung rituell geschlachtet werden. Sie wollten wohl eher das tun, was auf der einen Seite erwähnt wurde, helfen und schlichten, wo es nötig ist.
Aber gerade ihr Einsatz bei Demonstrationen, zum Schutz umstrittener Unternehmungen und Personen, macht sie zu Zielscheiben, zu Feindbildern, zu Leinwänden auf die Wut projiziert wird, die sie nicht erzeugt haben. Sie werden nicht mehr als Menschen wahrgenommen, sondern als Teil eines Ärgernisses.
Dieses Bild zu ändern, würde den Dienstalltag viel sicherer machen. Härtere Strafen greifen erst, wenn etwas passiert ist, ein positiveres Bild würde manchen Grund zu strafen vermeiden.
Darüber sollten die Herren Innenminister in Perl-Nennig einmal nachdenken.
In diesem Sinne, bleibt skeptisch, eure Motte.
Dienstag, 14. Juni 2016
Geschichtsblindheit
Gelassen, wie dieser Lehrer nun mal war, lies er sich auf eine Diskussion ein.
Eine ganze Weile lies er den Schülern die Oberhand, lies sie erläutern, wie nutzlos diese verstaubten Geschichten seien.
Als die Schüler und Schülerinnen ihr Pulver verschossen hatten, begann er, ohne Namen zu nennen, eine Abfolge von Begebenheiten aufzuzählen. Diese ähnelten im Kern stark dem Auftakt zum zweiten Weltkrieg. Als er erwähnte, dass Soldaten nunmehr auf das Staatsoberhaupt vereidigt würden, wurden die Ersten stutzig.
So ging es weiter bis zu Ausgrenzung und Verfolgung. Die Klasse war aufgebracht. Man würde dergleichen nicht zulassen, waren sich alle einig.
Der Lehrer saß derweil auf dem Pult und grinste in die Runde.
"Wenn ihr JETZT ERST verstündet was los ist, wäre es lägst zu spät.
Die Entwicklungen hätten euch überholt. Würdet ihr zu dem Zeitpunkt, zudem ihr jetzt angefangen habt mir zu widersprechen, versuchen das Unheil noch aufzuhalten, hättet ihr kaum mehr eine Chance. Und hättet ihr im letzten halben Jahr aufgepasst und SO gelernt, wie ich es euch versucht habe beizubringen, nicht nur auswendig, sondern mit dem Willen zu begreifen, Bezüge und Wechselbeziehungen, Zusammenhänge zu erkennen, dann wärt ihr spätestens zur Mitte von Punkt zwei meiner Aufzählung hin aufgesprungen und hättet gerufen:
'Nein, nicht noch ein Mal! Nie wieder!'.
Und jetzt hört auf zu maulen, das hier ist keine öffentliche Suppenküche, wer nicht lernen WILL, kann gerne gehen."
An diesem Tag hatten die Schüler nun tatsächlich etwas gelernt. Und sein Rat bezüglich der Herangehensweise an den Fachbereich Geschichte war nun angekommen und wurde auch umgesetzt.
Nicht von allen, natürlich. Aber einen Großteil seiner Zuhörer hatte er erreicht.
Man müsste meinen, es bräuchte solche Tricks nicht.
Ich persönlich habe eine sehr lebendige Verbindung zu der Zeit zwischen den Weltkriegen und besonders zu den regionalen Ereignissen in meiner direkten Umgebung in den Jahren ab 1936.
Meine Großmutter, der weitestgehend meine Erziehung oblag hat beide Weltkriege bewusst erlebt und Viele und Vieles durch sie verloren. Mein Vater ist 1937, mein Onkel 1927 geboren.
Die bewusste Erinnerung meiner Mutter beginnt in der frühen Nachkriegszeit. Sie alle haben, zuerst mehr untereinander, ohne viel darüber nach zu denken, dass ich anwesend war, später aber auch direkt mit mir, über das gesprochen, was ihnen und Menschen in ihrer Umgebung in jener Zeit widerfuhr. Das hat mich sehr geprägt. Es hat mich skeptisch gemacht, gegenüber schnellen Lösungen komplexer soziologischer Probleme. Und es hat auch dazu geführt, dass ich permanent hinterfrage, warum ich jemanden so einschätze, wie ich es eben tue. Ich leiste laut und unbequem für meine Umgebung Widerstand, wenn ich Unrecht geschehen sehe und mich in der Position, etwas daran zu ändern. Selbst wenn dieser Widerstand für mich unbequem ist. Auch wenn er Freizeit, Kraft und manchmal sogar Freunde kostet. Das soll mich nicht adeln, das macht mich nicht besonders. Es Zeigt nur, dass es an sich nicht viel braucht, ein Kind zu einem sozial verantwortlichen Erwachsenen zu formen. Wenn ein großgewachsener, bulliger Kerl, den man für praktisch unverwundbar und allmächtig hält, der einem der liebste Onkel auf der Welt ist, mit Tränen in den Augen erzählt, wie er unter Bedrohung seines Lebens mit 15 Jahren zwangseingezogen und an die Front geschickt wurde, ohne vorher je ein Gewehr gehalten zu haben, dann ist das prägend. Wenn die Großmutter, die einem beste Freundin und engste Bezugsperson vom ersten Tage an ist ganz nebenbei bemerkt, dass sie mittellosen Vertriebenen ein Bett gemacht und im Morgengrauen, wenn sie sich hinausstahlen ein Bündel Vorräte mitgegeben hat, obwohl sie sich und ihre Familie damit einer nicht unwesentlichen Gefahr aussetzte, weil es ihr unmöglich gewesen wäre, einen Notleidenden abzuweisen, dann stößt das etwas in einem kleinen Kopf an.
Und da liegt meines Erachtens die Wurzel des Übels. Es kann doch nicht sein, dass das nur bei uns so war. Es ist schlicht unmöglich, dass in anderen Familien nie über die Erlebnisse dieser Zeit gesprochen wurde, oder wird. Wie kommt es dann, dass unsere noch nicht so lang vergangene Geschichte so weit weg ist aus unseren Köpfen und unseren Herzen?
In jeder Familiengeschichte gib es Flucht und Vertreibung, Soldaten, Regimegegner und natürlich auch solche, die gern mitgemacht haben. Und über ALLE wird dann und wann geredet.
Wie kann es da sein, dass Viele so abgeklärt und distanziert mit der jetzigen Flüchtlingssituation umgehen?
Wie kommen Leute, die ich schätze, wegen ihrer Leidenschaft und Offenheit dazu, ihre Kinder nicht mehr allein aus dem Haus zu lassen, weil jetzt Flüchtlinge in der Nähe wohnen?
Ich kann es mir nicht erklären. Wer es versteht, erkläre es mir. Der Flüchtling an sich ist so wenig schlecht, wie der Einheimische an sich gut. In einer Menschenmasse gibt es immer alle Spielarten menschlichen Seins. Sollen wir jetzt etwa all Jene, die Hilfe suchen abweisen, weil wir unterm Strich sonst ein paar Arschlöcher mehr im Boot haben?
Wäre es nicht viel klüger, unsere Energie darauf zu verwenden, nicht immer mehr Arschlöcher groß zu ziehen? Zumindest könnten wir aufhören den schon erwachsenen Nationalegomanen hinterher zu laufen. das wäre ein guter Anfang. Ich könnte diese Litanei so noch Stunden lang fortführen. Es gäbe viele interessante Aspekte zu beleuchten. Aber ich möchte eure Geduld nicht überstrapazieren. Vielleicht greife ich das Thema einfach morgen, oder in nächster Zeit wieder auf.
Für heute sind's genug der Worte. Bleibt skeptisch, meine Lieben, bis die Tage, eure Motte.
Montag, 13. Juni 2016
Verdrängung
Seit zwei Stunden sitze ich hier, starre auf die weiße Fläche auf dem Bildschirm vor mir und weiß nicht, wie ich in Worte fassen soll, was in meinem Kopf vorgeht.
Der Cursor blinkt erwartungsvoll, immer wieder setze ich an, einen Textanfang im Kopf und verwerfe ihn wieder.
Das kenne ich nicht. Gewöhnlich spucke ich Worte, wie eine Maschine.
Verbal ebenso wie schwarz auf weiß. Je mehr mich etwas beschäftigt, um so umfangreicher und gründlicher beleuchte ich es von allen Seiten und bringe meine Gedanken zu Papier, oder zu Ohren.
Aber nicht heute, ebenso nicht gestern.
Gestern blieb ich, eben weil ich mit DEM Thema das alle Medien beherrschte, und selbst die EM auf Platz zwei verwies, nicht zurecht kam bei einer Geschichte über Jugendliche und junge Erwachsene, die Schelte für politischen Übereifer einstecken mussten.
Auch heute wirkt das Geschehene, diese unfassbare Bluttat noch surreal auf mich.
Ich drifte von Fakten zu Mutmaßungen, zu Interviews von Angehörigen der Opfer und auch des Täters.
Ich schlinge Informationen in mich hinein, wie ich es sonst auch tue, wenn ich die Tagespresse studiere, aber er rastet nicht ein, der kleine Schalter zwischen Wissen und Begreifen.
Wie eine Art emphatischer Lähmung fühlt es sich an, was da in meinem Kopf vorgeht.
So viele schreckliche Dinge passieren, werfe ich mir selbst immer wieder in Gedanken vor, warum trifft dich das mehr, als die ertrinkenden Flüchtlinge im Mittelmehr?
Dabei ist das gar nicht wahr. Orlando trifft mich nicht mehr, als der Überlebenskampf der Bootsflüchtlinge. Es kam nur viel plötzlicher, viel überraschender.
So grausam es klingen mag und so sehr ich mir wünschte es wäre nicht so, seien wir ehrlich:
Wenn wir die neuesten Zahlen ertrunkener Flüchtlinge lesen, nehmen wir sie hin.
Wir haben Mitleid, es erschüttert uns, dass es immer wieder auf's Neue passiert, aber es geht uns nicht mehr so nahe wie die ersten Bilder von am Strand angespülten Leichen.
Wir sind abgestumpft. So sagt man umgangssprachlich. Aber so ist es nicht.
Was in Orlando passiert ist und unsere Reaktionen darauf zeigen, dass lediglich unsere Selbstschutzmechanismen begonnen haben das vorherrschende Chaos um uns herum zu filtern und nur noch die Information, nicht mehr aber das Gefühl durch zu lassen.
Fachsprachlich nennt man die Fähigkeit dazu, ohne eben dabei ab zu stumpfen, Resilienz.
Sie beschreibt, vereinfacht ausgedrückt, das Vermögen des Menschen, auf sich verändernde Eindrücke, Umstände und Anforderungen, situationsbezogen und flexibel zu reagieren und belastende Umstände ohne psychische Folgeschäden zu meistern und zu überstehen.
So können wir mit dem nötigen Abstand mit menschlichen Tragödien wie der Flüchtlingskriese und auch den immer wiederkehrenden Naturkatastrophen umgehen.
Was wir schon einmal verarbeiten mussten, was bekannt, oder seit längerem aktuell ist, ist leichter zu verarbeiten, oder manchmal zumindest bei Seite zu drängen.
Das heißt nicht, dass wir nicht Anteil nehmen und mitfühlen. Wir schützen uns nur selbst.
Wenn nun aber etwas völlig Unerwartetes, wie die Anschläge von Paris im vergangenen November, oder nun das Blutvergießen in Orlando, passiert, dann ist dafür noch keine Barrikade errichtet.
Es stürmt auf uns ein und richtet, zumindest vorübergehend Schaden an.
Obwohl wir niemanden aus dem Kreis der Betroffenen kennen und nicht einmal erahnen können, wie groß Schock, Trauer, Schmerz und auch Wut bei Hinterbliebenen und Überlebenden sind, sind wir emotional plötzlich stark involviert.
Ganz allmählich wird in den nächsten Tagen und Wochen die beschriebene Fähigkeit dieses Mitfühlen abschwächen und in eine Erinnerung verwandeln, archiviert, um, falls etwas ähnliches passieren sollte, auf Muster zuzugreifen, die uns jetzt gerade helfen, das Geschehene zu verarbeiten.
Für die Menschen, die von derlei unmenschlichen Geschehnissen direkt betroffen sind, kann ich nur wünschen, dass sie so viel, und die Form von Unterstützung und Zuwendung erfahren, die sie benötigen, damit es ihnen möglich ist, weiter zu leben.
Und zwar wirklich zu leben, nicht nur zu existieren.
Ich hoffe und wünsche, dass sie den Mut finden, schwach zu sein und zu trauern, zu verfluchen und zu weinen. Denn um wirklich zu trauern und zu vermissen, muss man sich erlauben, schwach zu sein.
Ich wünsche ihnen Freunde, die erkennen, wann sie gestützt und wann sie für sich gelassen werden wollen und ich wünsche ihnen, dass sie an der Trauer wachsen können und nicht in ihr vergehen, dass sie irgendwann erkennen, dass sie ausgetrauert haben und zu neuer Stärke finden und das Leben derer feiern können, die selbst nicht mehr da sind um es zu tun.
Und ich wünsche mir und uns, dass es diesen Menschen vielleicht ein klein Wenig hilft, wenn sie sehen, wie viel Anteil alle Welt dieser Tage an ihrem Leid und ihrem Verlust nimmt.
Ich wünsche mir, dass es wahr ist, dass ein Wunsch den viele wünschen wie ein Zauber ist.
In diesem Sinne, lasst uns heute nicht skeptisch sein. Bis die Tage, eure Motte.
Der Cursor blinkt erwartungsvoll, immer wieder setze ich an, einen Textanfang im Kopf und verwerfe ihn wieder.
Das kenne ich nicht. Gewöhnlich spucke ich Worte, wie eine Maschine.
Verbal ebenso wie schwarz auf weiß. Je mehr mich etwas beschäftigt, um so umfangreicher und gründlicher beleuchte ich es von allen Seiten und bringe meine Gedanken zu Papier, oder zu Ohren.
Aber nicht heute, ebenso nicht gestern.
Gestern blieb ich, eben weil ich mit DEM Thema das alle Medien beherrschte, und selbst die EM auf Platz zwei verwies, nicht zurecht kam bei einer Geschichte über Jugendliche und junge Erwachsene, die Schelte für politischen Übereifer einstecken mussten.
Auch heute wirkt das Geschehene, diese unfassbare Bluttat noch surreal auf mich.
Ich drifte von Fakten zu Mutmaßungen, zu Interviews von Angehörigen der Opfer und auch des Täters.
Ich schlinge Informationen in mich hinein, wie ich es sonst auch tue, wenn ich die Tagespresse studiere, aber er rastet nicht ein, der kleine Schalter zwischen Wissen und Begreifen.
Wie eine Art emphatischer Lähmung fühlt es sich an, was da in meinem Kopf vorgeht.
So viele schreckliche Dinge passieren, werfe ich mir selbst immer wieder in Gedanken vor, warum trifft dich das mehr, als die ertrinkenden Flüchtlinge im Mittelmehr?
Dabei ist das gar nicht wahr. Orlando trifft mich nicht mehr, als der Überlebenskampf der Bootsflüchtlinge. Es kam nur viel plötzlicher, viel überraschender.
So grausam es klingen mag und so sehr ich mir wünschte es wäre nicht so, seien wir ehrlich:
Wenn wir die neuesten Zahlen ertrunkener Flüchtlinge lesen, nehmen wir sie hin.
Wir haben Mitleid, es erschüttert uns, dass es immer wieder auf's Neue passiert, aber es geht uns nicht mehr so nahe wie die ersten Bilder von am Strand angespülten Leichen.
Wir sind abgestumpft. So sagt man umgangssprachlich. Aber so ist es nicht.
Was in Orlando passiert ist und unsere Reaktionen darauf zeigen, dass lediglich unsere Selbstschutzmechanismen begonnen haben das vorherrschende Chaos um uns herum zu filtern und nur noch die Information, nicht mehr aber das Gefühl durch zu lassen.
Fachsprachlich nennt man die Fähigkeit dazu, ohne eben dabei ab zu stumpfen, Resilienz.
Sie beschreibt, vereinfacht ausgedrückt, das Vermögen des Menschen, auf sich verändernde Eindrücke, Umstände und Anforderungen, situationsbezogen und flexibel zu reagieren und belastende Umstände ohne psychische Folgeschäden zu meistern und zu überstehen.
So können wir mit dem nötigen Abstand mit menschlichen Tragödien wie der Flüchtlingskriese und auch den immer wiederkehrenden Naturkatastrophen umgehen.
Was wir schon einmal verarbeiten mussten, was bekannt, oder seit längerem aktuell ist, ist leichter zu verarbeiten, oder manchmal zumindest bei Seite zu drängen.
Das heißt nicht, dass wir nicht Anteil nehmen und mitfühlen. Wir schützen uns nur selbst.
Wenn nun aber etwas völlig Unerwartetes, wie die Anschläge von Paris im vergangenen November, oder nun das Blutvergießen in Orlando, passiert, dann ist dafür noch keine Barrikade errichtet.
Es stürmt auf uns ein und richtet, zumindest vorübergehend Schaden an.
Obwohl wir niemanden aus dem Kreis der Betroffenen kennen und nicht einmal erahnen können, wie groß Schock, Trauer, Schmerz und auch Wut bei Hinterbliebenen und Überlebenden sind, sind wir emotional plötzlich stark involviert.
Ganz allmählich wird in den nächsten Tagen und Wochen die beschriebene Fähigkeit dieses Mitfühlen abschwächen und in eine Erinnerung verwandeln, archiviert, um, falls etwas ähnliches passieren sollte, auf Muster zuzugreifen, die uns jetzt gerade helfen, das Geschehene zu verarbeiten.
Für die Menschen, die von derlei unmenschlichen Geschehnissen direkt betroffen sind, kann ich nur wünschen, dass sie so viel, und die Form von Unterstützung und Zuwendung erfahren, die sie benötigen, damit es ihnen möglich ist, weiter zu leben.
Und zwar wirklich zu leben, nicht nur zu existieren.
Ich hoffe und wünsche, dass sie den Mut finden, schwach zu sein und zu trauern, zu verfluchen und zu weinen. Denn um wirklich zu trauern und zu vermissen, muss man sich erlauben, schwach zu sein.
Ich wünsche ihnen Freunde, die erkennen, wann sie gestützt und wann sie für sich gelassen werden wollen und ich wünsche ihnen, dass sie an der Trauer wachsen können und nicht in ihr vergehen, dass sie irgendwann erkennen, dass sie ausgetrauert haben und zu neuer Stärke finden und das Leben derer feiern können, die selbst nicht mehr da sind um es zu tun.
Und ich wünsche mir und uns, dass es diesen Menschen vielleicht ein klein Wenig hilft, wenn sie sehen, wie viel Anteil alle Welt dieser Tage an ihrem Leid und ihrem Verlust nimmt.
Ich wünsche mir, dass es wahr ist, dass ein Wunsch den viele wünschen wie ein Zauber ist.
In diesem Sinne, lasst uns heute nicht skeptisch sein. Bis die Tage, eure Motte.
Sonntag, 12. Juni 2016
Der große Fahnenwirrwar
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Das musste dieser Tage auch die Grüne Jugend Rheinland-Pfalz lernen.
Ich persönlich bin auch kein Fan der vielen Fahnen und Fähnchen. Zum Einen, weil es mir schlicht ZU VIELE sind (ganz ehrlich, eine is ja noch ok, wenn man soooo auf Fußball steht, aber das ganze Haus vermummen, also echt?), zum Anderen, weil die Schwarz-rot-Goldene, gerade in letzter Zeit wieder verstärkt von Leuten geschwenkt wird, die eine sehr negative und unfreundliche Botschaft durch die Straßen und über die Plätze Deutschlands tragen.
Ich maße mir an, zu verstehen, was die jungen Hüpfer ursprünglich zu bedenken geben wollten.
Leider las es sich in der entstandenen Umsetzung etwas arg patzig und war zudem verallgemeinernd und auch noch teils vage bis gar falsch.
"Wer sich als patriotisch definiert, grenzt Andere aus." So steht es im ursprünglichen Post, auf der Facebookseite der GJ Rheinland-Pfalz.
Ist das so? Bedeutet Patriotismus automatisch Ausgrenzung Anderer?
Und überhaupt, welche Anderen sind da gemeint? Wortklauberei, mögt ihr sagen, Pedanterie. Vielleicht. Aber mit derlei vagen Sprüchen ist Tür und Tor und Polen offen für Wut und Unverständnis.
Zumal Patriotismus per Definition (laut Duden) Heimatgefühl, Heimatliebe, Liebe zum Vaterland, Nationalgefühl, vaterländische Gesinnung und Vaterlandsliebe umfasst.
Etwas davon zu empfinden, macht einen also zum Patrioten.
Zugegeben, da sind jetzt schon Begriffe dabei, die in eine ganz bestimmte politische Richtung deuten... hmmmm...
Braucht es aber nicht für jedes politische oder soziale Engagement ein gewisses Maß an Heimatliebe?
Ist Heimatgefühl nicht zwingend notwendig um zu erspüren, wo sich etwas ändern muss und um glücklich zu sein, mit dem, was gut klappt?
Darf man nicht getrost ein bisschen stolz sein, auf das am System, das es erstrebenswert macht hier zu leben?
(Es läuft vieles himmelschreiend schief hier, das bestreite ich nicht, aber momentan behandeln wir einen Trugschluss bezüglich des Gesamtbildes.)
Patriotismus an sich hat nichts mit Ausgrenzung zu tun.
Jemand der seine Heimat liebt, hat nicht automatisch ein Problem mit Migranten, Andersgläubigen oder Andersdenkenden. Er fühlt sich einfach wohl, wo er ist, mag die Aussicht von seinem Balkon aus, oder ist einfach nur froh, dass er hier gesetzlich krankenversichert ist und im Notfall auf eine Fülle von Hilfen aus einem großen, wenn auch Fehler behafteten sozialen Netz zurückgreifen kann.
Vielleicht ist Patriot X auch deshalb verliebt in seine Heimat, weil er selbst mittellos hier ankam, eine neue Heimat und neue Freunde gefunden hat und jetzt unter einem neuen, all seine vergangenen Kämpfe und neuen Hoffnungen widerspiegelnden Banner mit diesen neuen Freunden Fußball feiern kann.
Da ist nichts Schlechtes dran.
Gefährlich ist der Nationalismus. Dieser ist im Duden kurz und unfreundlich, aber treffend, als "übersteigertes Nationalbewusstsein" definiert. Und damit geht der Ärger los.
Im oben schon erwähnten Post liest man "Patriotismus = Nationalismus".
Da hat jemand im Grundkurs Logik geschlafen. Die Gleichung geht nicht auf.
Man kann völlig ohne "Andere" auszugrenzen zufrieden in seiner Heimat verwurzelt sein.
Regelrecht verliebt kann man in sein Kuhkaff, oder sein expandierendes Metropolenzuhause sein, ohne einmal zu denken: "Ich bin das Volk und die Torte in der Burka da drüben soll sich nach Mekka verpissen."
Umgekehrt verhält es sich genauso. Man kann das Bauernkaff in dem eh alles scheiße ist, oder den unter Dauerbaulärm zitternden Stadtteil in dem man sich eingekeilt und verloren fühlt hassen wie Pickel am Hintern und Deutschland, wie es jetzt ist, insgesamt verteufeln und sich trotz Allem ganz grotesk deutsch fühlen, "bewusst national" also.
Somit ist die obige Gleichung unwahr. Man kann ja auch nicht sagen: 3+x=y, wobei egal ist, was man für x einsetzt, es kommt immer 12 für y raus.
Oder einfacher: Schule = Lernen.
Was und wieviel man lernt, hängt vom ersten Tag in der Schule an von vielen Faktoren ab, für die Gesamtheit der Schüler und dann von nochmal mindestens eben so vielen für jeden individuellen Schüler.
Und so, denke ich, ist es auch mit Patriotismus und Nationalismus.
Wie und warum man patriotisch ist, ob man patriotisch ist und in welchen Bezugssystemen, hängt von vielen Faktoren ab. Ob sich eine Tendenz zum Nationalismus ergibt, dann nochmal von mindestens genau so vielen.
Einen nationalistischen Hintergrund aus einer Deutschlandfahne während einer Fußball EM zu deduzieren ist schlichtweg falsch und diese Ableitung dann als feststehende Tatsache zu verkünden stößt zurecht auf Ablehnung und Unverständnis.
Zum Schluss noch ein paar Worte zu den zu Begin schon bemängelten, recht unpräzisen "Anderen" die, laut Post, ausgegrenzt werden.
Das stößt mir rein rhetorisch sauer auf. Eben weil es so vage ist.
Seien wir ehrlich, die Einzigen, die durch die Fahnen ausgegrenzt, oder, in meinem Fall, vorgewarnt werden, sind die paar Leute, denen Fußball an der rückwärtigen Peripherie vorbei geht.
Und die sind wahrscheinlich gar nicht so undankbar, dass sie bereits am Gartentor vor dem Fußballeifer der jeweiligen Hausbewohner gewarnt werden.
In diesem Sinne, bleibt skeptisch und bis die Tage, eure Motte.
Samstag, 11. Juni 2016
Ok, Hand hoch, wer ist noch nicht total durchgeknallt?
Nicht genug damit, liebe Leser und Leseretten, dass sich ganz Deutschland für die EM rüstet, als käme eine Zombieapokalypse mit Schwarz-Rot-Gold-blinden Verweslingen auf uns zu, nein, auch noch das Wetter spinnt.
Und die Nazis... naja, die spinnen ja eigentlich immer... aber momentan eben auch lauter als sonst.
Hat eigentlich außer mir noch jemand das Gefühl, dass hier irgendwas ins Wasser gepanscht wird?
So Zeug, das den Durchschnittsbürger maulfaul und gleichgültig macht, Hauptsache "Dahom is Dahoam" wird nicht abgesetzt und es läuft ab und zu, so alle 18 bis 24 Stunden ein "wichtiges" Sportereignis in der Glotze?
Dank meiner schweren Bullshitallergie scheine ich weder auf die Gleichgültigkeitsdroge noch auf die modernisierte Form von Brot und Spiele anzusprechen.
Wahrscheinlich lähmt entweder der übersteigerte Konsum der leichtverdaulichen Medienkost, oder eben eine eventuell dem Kreislauf zugeführte Wunderdroge, den supramarginalen Gyrus der rechten Gehirnhälfte.
Der ist, laut Forschungsergebnissen der Max-Planck-Gesellschaft, nämlich zuständig für unseren Grad an Mitgefühl und sollte, so er funktioniert, ganz einfach gesagt, dabei helfen, kein egomanischer Arsch zu sein.
Als ich bei meinem Bummel durch die wunderbare Welt der Gehirnwindungen feststellte, dass dieses gute Stück in der RECHTEN Hälfte des Oberstübchens wohnt, wurde mir so Einiges klar.
Wenn in einem Kopf schon ein Haufen rechter Müll gebunkert ist, dachte ich bei mir, wie soll da dann noch Mitgefühl reinpassen? (Mitgefühl für Gleichgesinnte zählt hier nicht, da dieses ja auch schon wieder mit einem selbst gilt. Das ist, wie Mutti zum Geburtstag neue Töpfe schenken, damit sie weiter für einen kochen kann.)
Sollten wir also weniger über die besorgten Bürger schimpfen und lästern und statt dessen versuchen, sie in einer Resozialisierungsmaßnahme für mental besonders Geforderte unter zu bringen?
Das bedarf der Feldforschung meine Lieben!
Vielleicht sollte ich morgen mal im sexy Ganzkörpereinteiler ins Schwimmbad gehen, oder einfach mit Kopftuch und adretter Kleidung einkaufen.
Wenn dann so ein um seine abendländisch-christliche Kultur besorgter Bürger ankommt, lad ich ihn freundlich zum Kaffeekränzchen mit Gehirnscan und anschließender Verhaltenstherapie ein. Da macht der besorgte Bürger sicher gerne mit, defekt ist er, als gebürtiger Deutscher, ja schließlich eine viel größere Schande für sein Vaterland, als jeder Migrant es je sein könnte.
Soweit die Gedanken zum Tage.
Keine Angst, wo das herkam ist noch mehr, bleibt skeptisch und bis die Tage, eure Motte.
Und die Nazis... naja, die spinnen ja eigentlich immer... aber momentan eben auch lauter als sonst.
Hat eigentlich außer mir noch jemand das Gefühl, dass hier irgendwas ins Wasser gepanscht wird?
So Zeug, das den Durchschnittsbürger maulfaul und gleichgültig macht, Hauptsache "Dahom is Dahoam" wird nicht abgesetzt und es läuft ab und zu, so alle 18 bis 24 Stunden ein "wichtiges" Sportereignis in der Glotze?
Dank meiner schweren Bullshitallergie scheine ich weder auf die Gleichgültigkeitsdroge noch auf die modernisierte Form von Brot und Spiele anzusprechen.
Wahrscheinlich lähmt entweder der übersteigerte Konsum der leichtverdaulichen Medienkost, oder eben eine eventuell dem Kreislauf zugeführte Wunderdroge, den supramarginalen Gyrus der rechten Gehirnhälfte.
Der ist, laut Forschungsergebnissen der Max-Planck-Gesellschaft, nämlich zuständig für unseren Grad an Mitgefühl und sollte, so er funktioniert, ganz einfach gesagt, dabei helfen, kein egomanischer Arsch zu sein.
Als ich bei meinem Bummel durch die wunderbare Welt der Gehirnwindungen feststellte, dass dieses gute Stück in der RECHTEN Hälfte des Oberstübchens wohnt, wurde mir so Einiges klar.
Wenn in einem Kopf schon ein Haufen rechter Müll gebunkert ist, dachte ich bei mir, wie soll da dann noch Mitgefühl reinpassen? (Mitgefühl für Gleichgesinnte zählt hier nicht, da dieses ja auch schon wieder mit einem selbst gilt. Das ist, wie Mutti zum Geburtstag neue Töpfe schenken, damit sie weiter für einen kochen kann.)
Sollten wir also weniger über die besorgten Bürger schimpfen und lästern und statt dessen versuchen, sie in einer Resozialisierungsmaßnahme für mental besonders Geforderte unter zu bringen?
Das bedarf der Feldforschung meine Lieben!
Vielleicht sollte ich morgen mal im sexy Ganzkörpereinteiler ins Schwimmbad gehen, oder einfach mit Kopftuch und adretter Kleidung einkaufen.
Wenn dann so ein um seine abendländisch-christliche Kultur besorgter Bürger ankommt, lad ich ihn freundlich zum Kaffeekränzchen mit Gehirnscan und anschließender Verhaltenstherapie ein. Da macht der besorgte Bürger sicher gerne mit, defekt ist er, als gebürtiger Deutscher, ja schließlich eine viel größere Schande für sein Vaterland, als jeder Migrant es je sein könnte.
Soweit die Gedanken zum Tage.
Keine Angst, wo das herkam ist noch mehr, bleibt skeptisch und bis die Tage, eure Motte.
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